Warum Lebensmittel nicht „detoxen“ dürfen und können

Die Detox-Welle rollt durch die Supermarktregale und immer mehr Lebensmittel oder Supplements werden als „Detox“ (also als entgiftend) angepriesen. Für all diejenigen unter euch, die überlegen sich so etwas zu kaufen, habe ich hier mal eine paar Fakten zusammengesucht.

  1. Weder können Lebensmittel noch Nahrungsergänzungsmittel „detoxen“, also den Körper entgiften.
  2. Der Körper entgiftet sich selbst. Jedes Nahrungsmittel, das dem Körper Stoffe zuführt, die er braucht, also dem Körper hilft zu funktionieren, hilft dem Körper sich zu entgiften.

Was bedeutet das jetzt für „Detox“-Produkte? Ich möchte es euch am Beispiel eines Kräutertees zeigen. Am 22.05.2015 verbot die 8. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Düsseldorf dem Hersteller eines Tees, seine Kräuterteemischung, bestehend aus Brennesseln, Mate, Grüner Tee, Wacholderbeeren, Rotbusch, Löwenzahnkraut, Melisse und Pfefferminze unter der Bezeichnung „Detox“ zu verkaufen. Weiterhin stellte das Gericht fest, dass (gemäß Artikel 10 Abs. 1 HCVO) gesundheitsbezogene Angaben bei Lebensmitteln verboten sind, soweit sie nicht ausdrücklich zugelassen sind und dass es

„eine Verschlackung und entsprechende Entgiftung im Sinne der Grundannahme des Entstehens von Ablagerungen im menschlichen Körper nicht gibt.“

Das wissen natürlich auch die Hersteller, deswegen schreiben sie zwar „Detox“ und „Harmonie für Körper und Seele“ u. a. auf die Verpackung, aber das soll natürlich nicht bedeuten, dass der Tee gesundheitsfördernd sein oder „detoxen“ bzw. entgiften würde. Denn als sich der Hersteller vor Gericht äußern musste, argumentierte er, der „ vielfältig verwendete Kunstbegriff „Detox“ impliziere beim maßgeblichen, normal informierten, aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbraucher keinen Zusammenhang zwischen dem Tee und der Gesundheit des Verbrauchers, sondern beinhalte lediglich einen Hinweis auf eine bestimmte Lebenseinstellung, die sich im Drange des derzeitigen Wellnesstrends insbesondere durch ein Streben nach innerer Ausgeglichenheit und allgemeinem Wohlbefinden auszeichne.“

Ohne Worte.

Um es kurz zu machen, anstatt „Detox“-Produkte zu kaufen, lasst einfach etwas Geld in der Obst- und Gemüseabteilung, dann „detoxt“ euer Körper ganz von alleine und das ist jetzt sogar ein erlaubter Tipp.

 

Alle Angaben und Zitate von: http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/duesseldorf/lg_duesseldorf/j2015/38_O_119_14_Urteil_20150522.html

 

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Training auf Vibrationsplatten

Es gibt die unterschiedlichsten Systeme im Bereich der Vibrationsplattformen. Es gibt vertikale System, das sogenannte 3D- oder triaxiale System, und das Wipp-System (seitenalternierend oder oszillierend). Welche Plattformen haben welche Vorteile? Wie soll man sie einstellen und wie darauf trainieren? Ich möchte euch hier eine Meta-Analyse von 31 Studien zum diesem Thema vorstellen, die euch zumindest in Bezug auf zwei Systeme etwas weiterhilft.

Welche Plattformen?

Plattformen mit vertikaler Bewegung haben einen größeren langfristigen Effekt auf die Muskulatur, Plattformen mit oszillierenden Bewegungen haben kurzfristig einen stärkeren Effekt. Kurz vor einem Wettkampf und als Teil einer kürzeren Reha-Maßnahme solltet ihr also oszillierende Systeme bevorzugen, sonst aber eher vertikale. Hierzu muss man allerdings anmerken, dass die Untersuchungen zu den oszillierenden Plattformen meist mit niedrigeren Frequenzen (5-30Hz) und die zu den vertikalen Plattformen mit höheren Frequenzen (30-50 Hz) durchgeführt wurden. Außerdem wurde bei den Tests mit oszillierenden Plattformen mit einem geringeren Trainingsvolumen gearbeitet.

Ein weiterer Unterschied ist, dass vertikale Plattformen ihre Vibrationen synchron und senkrecht in beide Füße übertragen, was zu simultanen Bewegungen in beiden Seiten des Körpers führt. Dadurch wird 71-189% mehr Energie in den Oberkörper und Kopf übertragen als bei oszillierenden Plattformen. Vertikale Systeme sind daher besser für Sportler geeignet, die mehr Leistung wollen. Bestimmte Reha-Patienten bzw. Menschen, die keine Vibrationen bis in die Halswirbelsäule oder in den Kopf bekommen möchten, sollten eher mit oszillierenden Systemen arbeiten.

Welche Einstellungen?

Höhere Frequenzen und Amplituden führen zu größeren muskulären Anpassungen. Die größten Trainingseffekte wurden mit Frequenzen von 40-50Hz und Amplituden von 8-10mm erreicht. Dies waren jeweils die größtmöglichen Werte, die getestet werden konnten.

Wie trainieren?

Was das Trainingsvolumen anbelangt, so wurden die besten Ergebnisse mit einer Gesamttrainingszeit von 12-15 Minuten erreicht. Allerdings besteht hier durchaus die Möglichkeit, mit einem noch größeren Volumen noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Außerdem macht es einen großen Unterschied, wie ihr die Übungen auf den Plattformen ausführt. Die Kombination aus statischen und dynamischen Übungen führt zu einem doppelt so großen Trainingseffekt wie rein isometrisches Training.

Zwei Punkte, die nicht direkt mit den Plattformen zusammenhängen, sollten noch erwähnt werden. Zum Einen macht es einen Unterschied, ob die Platten mit oder ohne Schuhe benutzt werden. Bei statischen Kniebeugen ohne Zusatzgewicht wurden bei Testpersonen mit Schuhen in anderen Muskeln höhere EMG-(electromyography root-mean-square) Werte gemessen als bei den Personen ohne Schuhen (bei Messungen am Gastrocnemius  Medialis waren die der EMG-Werte bei Testpersonen mit Schuhe höher, beim Vastus Lateralis wurden höhere Werte bei Testpersonen ohne Schuhen gemessen). Zum anderen scheint das Körpergewicht die Amplitude der Schwingungen zu dämpfen. Daher sollten schwerere Trainierende möglicherweise mit größeren Amplituden arbeiten.

Es fehlen zwar noch eine Menge Fakten zu dem Thema. Tatsache ist aber, dass die Vibrationsplattformen eine effektive Ergänzung für euer Training darstellen.

https://www.researchgate.net/publication/41013325_Effects_of_Vibration_Training_on_Muscle_Strength_A_Meta-Analysis

https://www.researchgate.net/publication/26891906_Neuromuscular_Activity_During_Whole-Body_Vibration_of_Different_Amplitudes_and_Footwear_Conditions_Implications_for_Prescription_of_Vibratory_Stimulation

 

 

Laufanalyse

Gestern habe ich in der Praxisklinik Bergedorf  mit einem befreundeten Sportwissenschaftler  eine Einführungsveranstaltung zum Thema Lauf- und Ganganalysen gemacht. In 20-minütigen Kurzanalysen haben wir versucht, das Potential solcher Untersuchungen zu demonstrieren. Zuerst haben wir die Testpersonen auf Druckmessplatten gestellt, um mögliche Fehlstellungen (Senkfuß, Knick- oder Spreizfuß, Hallux Valgus etc.) zu erkennen. Dadurch konnten wir schon mal einige Fragen zur Qualität der Einlagenversorgung der jeweiligen Personen beantworten. So haben wir u.a. den Eltern eines 12jährigen zeigen können, dass ihr Sohn definitiv KEINE Einlagen braucht.

Danach haben wir die Lauf- bzw. Gangbewegungen der Probanden mit Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt. Es ist schon spannend, was man in Zeitlupe alles sieht was man mit bloßem Auge einfach nicht erkennen kann. Interessant war, dass wir teilweise junge Triathleten da hatten, die mit ähnlichen Problemen zu tun hatten wie einige der 70jährigen.

Für mich als Trainer war es toll, mit den Leuten direkt im Anschluss an die Analyse zu arbeiten, da ich so viel individueller und genauer auf die Ansprüche der Leute eingehen konnte. Ich freue mich sehr auf die nächste Veranstaltung. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Abnehmen, ohne die Ernährung umzustellen

Was kann ich tun, um schlanker und gesünder zu werden, ohne gleich auf vieles zu verzichten, bzw. wie bringe ich die Disziplin auf, mich so zu ernähren wie ich es eigentlich möchte? Die Antwort: Schafft euch ein Umfeld, das euch genau dahin bringt. Hier sind 5 Tipps[1] wie es geht:

  • Kocht selbst! Es gibt keine bessere Art und Weise, etwas über Ernährung zu lernen, als selbst zu kochen. Spart euch das Geld für die ganzen Ratgeber und nehmt Obst, Gemüse und gelegentlich Fleisch in die Hand und arbeitet damit. Das verändert euer Bewusstsein für Ernährung.
  • Trefft öfter eure Freunde! Menschen mit mehr sozialen Kontakten sind glücklicher und haben einen niedrigeren Stresslevel. Dazu kommt, dass gerade Singles häufig öfter und bewusster kochen, wenn sie dies mit anderen zusammen tun können.
  • Lernt neue Leute kennen! Falls euer Umfeld voll ist mit Menschen, die selten Sport treiben oder ihre Freizeit eher sitzend gestalten, aber dafür gerne häufig und ungesund essen, dann werdet ihr euch auch eher so verhalten.
  • Bewegt euch abwechslungsreich! Zweimal in der Woche eine Stunde auf einem Fitnessgerät zu sitzen und dabei mit einen kleinen Teil eures Körpers immer dieselbe Übung zu wiederholen mag einzelne Muskeln belasten, es ist aber nicht genug Bewegung! Und für die Crosstrainer-Enthusiasten: Schaut euch mal ein Video von einer Person an, die 30 Minuten auf einem Stepper steht. Viel passiert da nicht. Dem Körper täglich neue Reize zu geben, ihn ständig dazu anzuregen, sich anzupassen, verhindert die Gefahr einseitiger Belastungen (und damit verletzungsbedingter Pausen) und hält den Metabolismus auf Trab.

Und wie kann man alle diese Tipps am besten umsetzen? Indem ihr euch gezielt eine Lebensumgebung schafft, in der ihr die für euch wichtigen Geschäften und Cafés zu Fuß erreichen könnt; eine Umgebung in der eure alten Freunde wohnen oder ihr neue kennenlernen könnt, mit denen ihr dann öfter zusammen kocht und öfter etwas gemeinsam unternehmt.

Sind alle diese Sachen einfach umzusetzen? Keineswegs – das ist mit den Dingen, die funktionieren, ja leider meistens so. Solltet ihr aber darüber nachdenken umzuziehen, dann seht euch nicht nur die Immobilie an, sondern achtet auch auf das Umfeld…

[1] Die Tipps stammen aus dem Buch „Blue Zones“ von Dan Buettner (https://www.bluezones.com/about-blue-zones/). Zusammen mit der Zeitschrift National Geographic und den weltbesten Forschern auf dem Gebiet der Langlebigkeit hat Buettner weltweit die Gegenden ausfindig gemacht, in denen die Bewohner gesünder sind und deutlich länger leben als in den USA oder Deutschland, und hat untersucht, was sie anders machen als wir.

 

Produkttest: Riegelmanufaktur

Heute möchte ich Euch einen in jeder Hinsicht besonderen Riegel vorstellen, genauer gesagt, einen besonderen Hersteller: die Riegelmanufaktur. Gegründet wurde die Riegelmanufaktur von Sascha Nuszkowski, einem Triathleten, Yogalehrer und Ernährungsberater.

Die Riegelmanufaktur ist ein (noch) recht kleiner Hersteller, beim dem der Chef höchstpersönlich Hand anlegt, das bedeutet, dass nicht nur die Rezepte Eigenkreationen sind, sondern die Schokolade ebenfalls. Damit sind wir auch schon bei dem, was diese Riegel von anderen abhebt: Es ist die Konsequenz, mit der Sascha seine Riegel macht. Andere Hersteller werben mit Sätzen wie:

„Ohne Verwendung von künstlichen Aromen und Farbstoffen.“

Die Riegelmanufaktur geht da etwas weiter. Hier wird ohne Zucker, Konservierungsstoffe, künstliche Aromen, Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Produkte tierischer Herkunft hergestellt. Jeder Riegel ist somit rein vegan, laktosefrei, ohne Gluten und frei von anderen Lebensmittelzusatzstoffen wie u. a. Palmöl, mit dessen Anbau eine massive Abholzung des Regenwalds einhergeht. Die Riegelmanufaktur arbeitet nicht mit Kakaomasse und pflanzlichen, gehärteten Fetten.

Es gibt mittlerweile acht Sorten: Banane, Erdnuss, Kürbis, NussZimt, Frucht, Kokos, Dunkle Schoko und Kick (mit Koffein). In den nächsten Wochen wird noch eine weitere dazukommen. Die Basis aller Sorten bildet gepoppter Amaranth. Das Pseudogetreide ist glutenfrei, reich an Mineralstoffen (z. B. Eisen) und hat vergleichsweise wenige Kohlenhydrate. Dazu kommen dann meist Nüsse, Kerne und Trockenfrüchte. Ein weiterer Punkt, der mir gefällt, ist die Tatsache, dass die Riegelmanufaktur sich nicht dem Hype um die sog. Superfoods anschließt: Es werden statt Chia-Samen die genauso gesunden aber ökologisch verträglicheren Leinsamen verwendet.

Dieser entschiedene Ansatz wird aber nicht nur auf die Riegel angewendet. Sämtliche (Hand-)Verpackungen der Riegelmanufaktur sind komplett recycelbar. Und es geht noch weiter: Die Zulieferer sind (wo möglich) ebenfalls ökologisch, so wird in der Riegelmanufaktur mit Ökostrom produziert, der Homepage-Provider arbeitet mit Ökostrom, die Druckerei ist 100% ökologisch und die Hausbank unterstützt nachhaltige Projekte.

Diese konsequente Haltung hat natürlich auch ihren Preis. Mit 2,50€ sind die Riegel kein Schnäppchen, aber ihr kauft ja auch keine industrielle Massenware, sondern ein gutes Produkt, das ein Sportler und Ernährungsberater gemacht hat, welches er auch selbst nutzt und welches nebenbei auch ziemlich lecker schmeckt!

Mich haben nicht nur die Riegel überzeugt, sondern das gesamte Konzept und da Sascha nicht nur konsequent bei seinen Riegeln ist, sondern auch in seinem Sport, bin ich mir sicher, dass ich mit ihm noch andere praktische Projekte in der Zukunft realisieren werde.

Nährwertangaben

Riegel „Kick“ pro Riegel pro 100gr.
Brennwert 698,063 kj 2221,95 kj
Brennwert 166,729 kcal 530,704 kcal
Protein 2,41 g 7,67 g
Kohlenhydrate 11,49 g 36,58 g
Zucker 6,89 g 21,92 g
Fett 12,03 g 38,3 g
Ballaststoffe 1,56 g 4,98 g
Koffein 56 mg 178,249 mg

Sämtliche Riegel, die für diesen Artikel verspeist wurden, wurden regulär bezahlt.

 

Laufband oder Crosstrainer 2

Der erste Teil endete ja mit der Bedeutung der Lymphe für die Gelenke. An dieser Stelle geht es weiter.

Faszien

Verbunden mit der Lymphe ist das Bindegewebe, die Faszien. Beim Laufen übernehmen die faszialen Sehnenplatten einen Großteil der Bewegung während die Muskelfasern ihre Länge kaum ändern, das heißt sie versteifen sich nur isometrisch, ohne deutliche Längenänderung.[1] Dies gilt aber nur bei elastischen, federnden Bewegungen wie z. B. Laufen oder Hüpfen. Beim Training auf dem Crosstrainer kommt es, wie auch beim Radfahren, kaum zu einer Längenveränderung bei Sehnen oder Sehnenplatten. Ein Training der Faszien findet also kaum statt.

Gleichgewichtssinn

Im faszialen Netz liegt auch ein Großteil der Propriozeptoren. Diese Rezeptoren melden uns, wie unsere Körperposition ist, ob Gelenke gebeugt oder gestreckt sind und wo sie sich befinden.[2] Sie sind also unerlässlich für unsere Eigenwahrnehmung und Koordination, zwei Fähigkeiten, die man vor allem mit Gleichgewichtsübungen trainiert.

Auf dem Laufband verlasst ihr bei jedem Schritt während der Flugphase mit beiden Füßen den Boden. Im Moment der Landung muss ein Fuß euren gesamten Körper aus einer dynamischen Bewegung auf einem sich bewegenden Untergrund im Bruchteil einer Sekunde abfangen und stabilisieren. Gleichzeitig muss sich der gesamte Körper organisieren und das mehrmals in der Sekunde (ein guter Richtwert wären hier 180 Schritte/Minute bei einer Geschwindigkeit von 10 km/h).[3] Auf dem Laufband passiert dies, ohne dass ihr euch festhaltet.

Auswirkungen auf euer Training

Ein letzter Punkt ist etwas, was direkt nur die Trainer betrifft, aber indirekt auch alle Leute, die  sich im Fitnessstudio Trainingspläne erstellen lassen. Die allermeisten Crosstrainer zwingen euch in eine Bewegung, die nicht eurer Anatomie entspricht. Das fängt damit an, dass bei den meisten Crosstrainern die Schrittlänge vorgegeben ist, egal ob ihr 1,95m oder 1,60m seid, die Schrittlänge ist immer identisch. Viel wichtiger aber ist mir, dass ich mir bei denjenigen von euch, die auf dem Laufband sind, den Laufstil ansehen kann. Ich kann dadurch feststellen, ob und wo es Probleme und Dysbalancen gibt und darauf hinweisen.

Zwei Beispiele: Wenn euer Becken beim Laufen immer zur Seite fällt, ist das ein Indiz dafür, dass eure Abduktoren zu schwach sind, kippt euer Becken nach vorne in ein Hohlkreuz, dann kann das an einer Schwäche eurer Fußmuskulatur liegen. Sobald mir diese Sachen auffallen, kann ich mit euch zusammensetzen und einen neuen Plan mit euch erstellen, in dem dann die entsprechenden Übungen enthalten sind.

Auf dem Crosstrainer ist es fast unmöglich individuelle Schwächen zu erkennen, da bewegt ihr euch alle gleich.

Laufen ist die beste Alternative

Letzten Endes ist es am gesündesten, wenn ihr euch mehr bewegt, und wenn euch der Crosstrainer mehr Spaß macht als das Laufband, dann ist es eben nun mal so. Am vernünftigsten und am natürlichsten ist es, einfach draußen zu laufen. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob ihr das richtig macht, ob eure Schuhe die richtigen sind oder wenn ihr Schmerzen habt, dann macht eine Laufanalyse und findet heraus, wo bei euch der Schuh drückt. So eine Analyse kostet weniger als ein paar Laufschuhe und bringt euch wesentlich mehr. Ich werde euch in den nächsten Wochen mehr Informationen darüber geben.

[1]Schleip, Robert & Müller, Divo G.: Faszien Fitness – Faszien-orientiertes Training für

Sport, Gymnastik und Bewegungstherapie.

[2] Interview mit Dr. Robert Schleip, Erschienen in „Das Pilates Magazin“, No. 3, Juli/Oktober 2009

[3] Nachfrage bei Dr. Martin Reischmann, Institut für Bewegungswissenschaften der Universität Hamburg

Laufband oder Crosstrainer 1

Cardio-Training ist neben Krafttraining das wichtigste Element beim Fitnesstraining. Da stellt sich natürlich die Frage, welches Gerät dafür am besten geeignet ist. Die Frage, die dabei am häufigsten auftaucht ist die, welches Gerät am meisten Kalorien verbraucht.

Welches Gerät verbrennt mehr Kalorien?

Eine kurze Recherche führt zu einer Menge unterschiedlicher Antworten. Die einen sagen das Laufband, die anderen bevorzugen den Crosstrainer. Fit For Fun geht sogar noch eine Stufe weiter und schreibt:

Um den Kampf mit den unliebsamen Fettpölsterchen aufnehmen, sind dann wiederum das Laufband und der Fahrradergometer die beste Wahl der Waffen.[1]

Und in einem anderen Artikel:

Laufband und Crosstrainer sind die besten Kalorienkiller im Fitness-Studio.“[2]

Die verrückteste Aussage habe ich auf der Seite http://www.cross-heimtrainer.de gefunden:

In Hinsicht auf die Trainingslänge hat aber der Crosstrainers einen Vorteil: Viele Menschen halten ein Workout auf dem Crosstrainer länger aus, als auf dem Laufband. Der Grund ist, dass die Füße durch die Tretplattform getragen und geführt werden und dadurch die Bewegung weniger anstrengend ist, als auf dem Laufband. Somit kann man länger trainieren und man verbrennt mehr Kalorien.“[3]

Man verbrennt mehr Kalorien, weil es weniger anstrengend ist? Manchmal bin ich einfach nur fassungslos mit welchem Schwachsinn manche Firmen versuchen den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Also fragen wir die Wissenschaft und da lautet die Antwort i. d. R., dass es keinen großen Unterschied gibt. (Ein paar Studien dazu hänge ich euch hinter die Fußnoten.)

Nur der Crosstrainer trainiert den Oberkörper?

Kommen wir zum nächsten Mythos: Auf den Punkt bringt es diese Überschrift von http://www.crosstrainerportal.de:

Beanspruchung der Oberkörpermuskulatur: Nur beim Crosstrainer!“[4]

Beim Crosstrainer werden angeblich, im Gegensatz zum Laufband, alle großen Muskelgruppen trainiert. Dadurch würde der ganze Körper geformt und natürlich auch mehr Kalorien verbraucht werden, so die Homepage. Ihr merkt schon wie gut das zusammenpasst: Der Crosstrainer ist weniger anstrengend, obwohl er mehr Muskeln trainiert und beides führt zur einem größeren Kalorienverbrauch!

Da wir das Thema Kalorienverbrauch bereits geklärt hatten, kommen wir gleich zum Oberkörpertraining. Beim Laufen sorgen die Bauchmuskeln für die Balance zwischen Ober- und Unterkörper, schließlich verdreht sich der Körper bei jedem Schritt und die Arme bilden das Gegengewicht zur Beinbewegung.

Hier noch ein Zitat von jemandem, dem es völlig egal ist, ob man Crosstrainer oder Laufbänder benutzt:

„Laufen steigert nicht nur die Ausdauer, sondern kräftigt auch den Rücken. Darauf weist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hin. So löse das Training Verspannungen, kräftige die Rumpfmuskulatur und entlaste die Bandscheibe, erläutert die DGUV in Berlin.“[5]

Dass also nur der Crosstrainer den Oberkörper trainiert, ist also schlicht falsch. Im Gegenteil, da beim Crosstrainer die Möglichkeit besteht, die Arme auf den Griffen abzulegen, kann man den Crosstrainer auch benutzen ohne den Oberkörper zu trainieren. Auf dem Laufband die Arme nicht einzusetzen ist da bedeutend schwieriger. Wie groß könnte dieser angeblich zusätzliche Trainingseffekt auf den Oberkörper schon sein, da wir ja nun wissen, dass man auf beiden Geräten insgesamt gleichviel Kalorien verbraucht? Wenn es euch wirklich darum geht, euren Oberkörper zu trainieren, dann gibt es durchaus bessere Alternativen als den Crosstrainer.

Crosstrainer schonen die Gelenke?

Der nächste Punkt, ist die angebliche Schonung der Gelenke, die nur der Crosstrainer bietet. Hierzu habe ich folgendes Zitat gefunden:

„Mit einem Marktanteil von mehr als 50% sind Crosstrainer die beliebtesten Heimsportgeräte. Crosstrainer bzw. Ellipsentrainer sind die idealen Geräte für ein effektives und gelenkschonendes Ausdauertraining. Besonders für Freizeitsportler mit einer sitzenden Tätigkeit im Berufsalltag, sind es die optimalen Trainingsgeräte. Mit einem Crosstrainer trainieren sie alle Muskelgruppen, die Sie auch im Alltag benötigen und fördern gleichzeitig den Fettstoffwechsel. Der Bewegungsablauf ist ähnlich wie beim Laufen, nur ohne die Stoßbelastungen, die beim Joggen bis zum 7-fachen des Körper Gewichtes auftreten.“[6]

Eine Stoßbelastung, die bis zum 7-fachen des Körpergewichts geht? Das klingt schockierend. Mal sehen, wie der Wert aussieht, wenn man nicht auf der Seite eines Geräteherstellers guckt, sondern in wissenschaftliche Studien. Dort heißt es:

The peak joint contact force during walking at 1.5 m x s(-1) was 2.5+/-0.3 times body weight (BW). Running at 3.5 m x s(-1) produced a joint contact force of 5.2+/-0.4 BW during the push-off phase.[7]

Mit anderen Worten: Wenn wir gehen, wirken schon Stoßbelastungen bis zum 2,5 fachen des Körpergewichts und bei einer Geschwindigkeit von 3,5 m/s (12,6 km/h) verdoppelt sich die Belastung auf das 5,2 fache. Das klingt doch gleich wesentlich weniger dramatisch. Nächster Punkt: Die Bewegung ist nicht ähnlich wie beim Laufen. Sonst wären ja auch die gigantischen Stoßbelastungen nicht auf einmal weg! Ich trainiere alle Muskelgruppen? Es mag wohl so sein, dass sämtliche Gelenke bewegt werden, aber ob man da von Muskeltraining sprechen sollte, weiß ich nicht so genau.

Nun zum wichtigsten Punkt dieser „objektiven Verbraucherinformation“, der besonderen Eignung für Menschen mit einer sitzenden Tätigkeit im Berufsalltag. Die Forschung hat inzwischen nachgewiesen, dass mangelnde Bewegung für die Bandscheiben sehr gefährlich ist. In fast jeder Krankenkassenbroschüre zum Thema Rücken kann man nachlesen, dass Bandscheiben ohne Bewegung kaputt gehen. So schreibt die DKV:

Vorteile des Laufens für den Rücken und die Bandscheiben

„Die natürliche Bewegung wie beispielsweise die mit dem Gehen oder Laufen verbundene Wechselbelastung hat einen positiven Einfluss auf die Ernährung der Bandscheibe.[…] Der Wechsel aus Be- und Entlastung sorgt dafür, dass die Bandscheibe mit Nährstoffen versorgt und damit so „gesund“ wie möglich bleibt.“[8]

Ohne ausreichend wechselnde Be- und Entlastung bekommen die Bandscheiben zu wenig Nährstoffe und degenerieren. In Artikeln über die Faszienforschung liest man immer wieder, dass die Lymphe die Gelenkschmiere zu den Gelenken transportiert und die Lymphe wird durch Muskelaktivität bewegt. Bandscheiben und Gelenke brauchen also Belastung, um gesund zu bleiben und Menschen, die den ganzen Tag im Büro sitzen umso mehr. Solange man also noch gesund ist, sollte man definitiv das Laufband dem Crosstrainer vorziehen, und auch wenn ihr leichte Probleme mit Bandscheiben oder Gelenken habt, ist es bestimmt nicht sinnvoll, die Nährstoffversorgung dieser lädierten Strukturen noch weiter zu verringern, indem ihr die Belastung reduziert.

So, ich habe mich genug geärgert. Den Rest gibt es übermorgen im zweiten Teil. Darin geht es um Faszien und welche Auswirkungen die Wahl des Ausdauergeräts auf eure Trainingspläne haben kann.

[1] http://www.fitforfun.de/sport/fitness-studio/thema-des-tages/ausdauertraining-welches-cardio-geraet-ist-am-effektivsten_aid_8812.html

[2] http://www.fitforfun.de/sport/fitness-studio/60-minuten-training/cardiotraining-fit-auf-laufband-und-co_aid_5526.html

[3] http://www.cross-heimtrainer.de/laufband-oder-crosstrainer-bzw-ellipsentrainer-kaufen/

[4] http://www.crosstrainerportal.de/crosstrainer-oder-laufband/

[5] http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/fitness/news/gesundheit-die-haltung-zaehlt-richtiges-laufen-trainiert-den-ruecken_id_4062419.html

[6] http://www.cardiofitness.de/20/Crosstrainer-Beratung.htm

[7] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9927021

[8] https://www.dkv.com/kundenbereich-gesundheit-bewegungsprogramm-bandscheibe-15856.html

Studien zum Kalorienverbrauch:

Lower Limb Kinematics and Metabolic Cost During Elliptical Exercises and Treadmill Running

Physiological changes following a 12 week gym based stair-climbing, elliptical trainer and treadmill running program in females.

Comparison of energy expenditure on a treadmill vs. an elliptical device at a self-selected exercise intensity.